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"Wir bauen keine typischen Blindenspiele". Volker Lendeckel über
umgerüstete Gesellschaftsspiele
Mit Magnet und Klarsichtfolie bauen Volker und Erika Lendeckel aus
Neuwied seit 20 Jahren Gesellschaftspiele blindengerecht um. Im Gespräch
mit REHACARE.de erklärt Volker Lendeckel, wie es dazu kam, dass Blinde
und Sehende gemeinsam ins Gefängnis gehen und sich gegenseitig vom
Spielfeld schubsen können.
Erika und Volker Lendeckel
sind das
"Umrüst-Team" © Lendeckel
REHACARE.de: Herr Lendeckel, wie kamen Sie darauf, Spiele
umzurüsten?
Volker Lendeckel: Meine Frau ist blind und wollte mit unseren
beiden Kindern auch die Spiele spielen können, die sie aus dem
Kindergarten kannten. Da wir beide pädagogische Fachkräfte in einer
Blindenschule waren, haben wir uns dann überlegt, wie wir das umsetzen
können. Besonders lange hat es gedauert, bis wir wussten, welche
Materialien wir brauchen, damit sowohl Blinde als auch Sehende ohne
Einschränkung die Spiele nutzen können.
REHACARE.de: Wie machen Sie denn aus einem normalen Spiel ein
blindentaugliches?
Volker Lendeckel: Damit beispielsweise Spielsteine nicht
verrutschen, befestige ich im Spielfeld eine Metallplatte und die
Spielsteine erhalten Magnete. Über das Spielfeld wird eine
Klarsichtfolie geklebt, in der mit einer Maschine Reliefs eingelassen
sind. Mit ihnen lässt sich die Spielroute ertasten. Die
verschiedenfarbigen Spielfiguren versehen wir auch mit unterschiedlichen
Reliefs – blau hat eine Wellenform, gelb feine Karos usw.
REHACARE.de: Aber das ist noch nicht alles …
Volker Lendeckel: Durch die Klarsichtfolie können auch Sehende
alles erkennen. Manche sehen den Unterschied zunächst gar nicht, weil
wir am Spiel selbst nichts verändern. Bei herkömmlichen Spielen für
Blinde ist das anders, die sind für Sehende eher unansehnlich. Wir bauen
also keine typischen Blindenspiele, sondern solche, die Blinde und
Sehende zusammen spielen können. Das war und ist für uns der wichtigste
Aspekt.
REHACARE.de: Welche Spiele bauen Sie um?
Volker Lendeckel: Fast alle von Das verrückte Labyrinth bis
Malefiz – und meist aktuelle Veröffentlichungen. Wir bauen nur solche
nicht um, die sehr groß sind und viele Einzelteile haben. Das können
Blinde nicht alles ertasten. In den letzten zwanzig Jahren habe ich
zirka hundert verschiedene Spiele umgerüstet – und die jeweils im
Durchschnitt fünfzig- bis hundertmal.
REHACARE.de: Die ganze Bastelei ist sicher ein großer
Zeitaufwand.
Volker Lendeckel: Für das aufwändigste Spiel – Monopoly - brauche
ich einen ganzen Tag. Kartenspiele sind, nach entsprechender Vorarbeit,
in wenigen Stunden fertig.
REHACARE.de: Außer Ihnen baut niemand in Europa Spiele um. Warum?
Volker Lendeckel: Der Markt ist einfach nicht groß genug.
Außerdem müsste ich, um mehr Spiele zu produzieren, Leute einstellen.
Das würde aber die Kosten erhöhen und wir wollen die Spiele günstig
halten. Alle Spiele werden zum Selbstkostenpreis verkauft, je nach Größe
und Material sind das zwischen 17 und 100 Euro. Wir wollen nichts daran
verdienen, denn Hilfsmittel für Blinde sind ohnehin teuer.
REHACARE.de: Und trotzdem macht es Ihnen Spaß?
Volker Lendeckel: Ich habe schon immer gerne gebastelt. Es ist
eine Herausforderung, gerade bei einem komplizierten neuen Spiel
herauszufinden, wie wir es am besten umbauen können. Wir sind stolz,
dass wir als einzige in Europa Spiele umrüsten. Und dann macht es
natürlich am meisten Spaß, wenn die Kunden anrufen und sich darüber
freuen, dass das wirklich klappt. Die meisten unserer Kunden sind
Stammkunden und kaufen immer wieder bei uns.
REHACARE.de: Dieses Jahr ist Ihr 20-jähriges Jubiläum. Was steht
als nächstes an?
Volker Lendeckel: Wir möchten die Spiele auch mit
Spielanweisungen in anderen Sprachen ausstatten.
Natascha Mörs
REHACARE.de |
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